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28.07.2015 | Dr. Uwe Lehmann-Brauns, MdA
Die gequälte Stadt
Der Kurfürstendamm - Feiern oder Fahren?
Nur Spaßbremsen können verlangen, dass die Stadt ihre Lebensfreude verliert, auf Feste, Umzüge und Ähnliches verzichtet. Die Leute hier, Zugezogene wie Gäste, feiern gern. So soll es bleiben, dafür steht Berlin. Die Feierei bedarf aber einer stadtpolitischen Ordnung. Ohne sie geht der Teil der Stadt, der nicht feiern will oder kann, in die Knie. Wochenlang ist die große Ost-West-Magistrale für den Verkehr gesperrt; dieser weicht in Quartiere aus, die dafür nicht gemacht sind. Das führt zu Stau, Verdrängung, Verstopfung, zu schlechter Laune in der Stadt, die durch Baustellen und Absperrungen zugunsten offizieller Gäste ohnehin belastet ist.
Ein aktuelles Beispiel: Die Firma Vattenfall ließ es kürzlich auf dem Kurfürstendamm krachen. 10 km bzw. 5 km Läufe „runner´s world“, stundenlang. Der Kurfürstendamm wurde gesperrt, seine Nebenstraßen zu Sackgassen. Auch die großen Parallelstraßen konnten nicht helfen, Abbiegeverbote verhinderten ein Ausweichen. Die Hauptfläche der City-West war lahmgelegt. In ihr kroch der verdrängte Verkehr in langen Stauschlangen durch die stillen Straßen, Anwohner und Gäste irrten in den Absperrungen hin und her, fanden weder raus noch durch. Dieser von Vattenfall sogenannte „fun-run“ war zur Aufwertung des Kurfürstendamms gedacht. Pardon, diese Aufwertung durch die joggenden Menschen braucht er eigentlich nicht. Er genießt, vor allem an Sommerabenden, seine Urbanität und die seiner Nebenstraße. Das Interesse, die Innenstadt durch Läufe zu beleben, kann auf anderen Magistralen Berlins, die dieser Belebung durchaus bedürfen, befriedigt werden. Da ist die Frankfurter Allee, die ohnehin stadtpolitisch aufgewertet wird. Da sind die „Linden“, abends nach Dienstschluss mehr tot als lebendig oder diverse andere. Der Kurfürstendamm hat in West-Berlin seine Schuldigkeit als einziger nennenswerter Boulevard getan. Man lasse ihm heute seine exklusive Ruhe, auch das ist Berlin. Die Stadt wird dadurch nicht lebloser. Laufwettbewerbe oder ähnliches sollten in Straßen stattfinden, die eine Aufwertung verdienen – vom Tempelhofer Feld gar nicht zu reden. Provozierte Verkehrsinfarkte sind zu vermeiden. Läufer und Läuferinnen finden ihre Herausforderung in vielen Teilen der Stadt. Die Lähmung ganzer Stadtviertel muss damit nicht verbunden sein.